„Auch wenn ich es schon oft miterlebt habe, bleibt es für mich absolut faszinierend zu sehen, wie Kinder Lesen und Schreiben lernen“, sagt Gabriele Selle-Drews, Lehrerin an der LUKAS Schule, lächelnd. Eltern wundern sich oft über die Wörter, die ihre Kinder da zu Papier bringen: Vielleicht werden wichtige Buchstaben in einem Wort weggelassen und dann steht da „Kml“ statt „Kamel“, manchmal werden auch ähnlich klingende Laute verwechselt wie t/d oder p/b und aus einem „Peter“ wird ein „Beter“. Ist ein Kind langfristig nicht in der Lage, diese Schwierigkeiten zu überwinden, deutet dies darauf hin, dass es beim Schreiblernprozess zusätzliche Förderung benötigt, erklärt die Lehrerin.
Seit Schuljahresbeginn ist Gabriele Selle-Drews als Förderlehrerin an der LUKAS Grundschule eingesetzt. Sie hat sich darauf spezialisiert, Kinder zu unterstützen, die Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb haben – oft unter dem Begriff Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) zusammengefasst. Sie sorgt dafür, dass auch an der LUKAS Grundschule weiterhin Kinder spezielle zusätzliche Lernangebote und mehr Zeit bekommen, um ihre Fähigkeiten beim Schreiben Schritt für Schritt zu verbessern. Das Problem mit dem „Kml“ löst sie mit einer anschaulichen Erklärung, denn oft ist ein Kind ganz erstaunt, dass die Erwachsenen sein Wort nicht lesen können. „Ich erkläre den Kindern, dass jedes Wort aus Silbenbooten besteht. Kein Boot fährt ohne Kapitän. Die Kapitäne in den Silbenbooten sind die Selbstlaute. Fehlt der Selbstlaut in einem Boot, muss sich das Kind das Wort nochmals anschauen“, so die Lehrerin.
Bevor es mit den zusätzlichen Lernangeboten losgeht, werden zunächst alle Kinder in der Grundschule mit einem speziell entwickelten Test überprüft, um herauszufinden, auf welcher Entwicklungsstufe sie sich im Schreiblernprozess befinden. Für Kinder ist es nämlich gar nicht so einfach wie es scheint, den unaufhörlichen Klangstrom der gesprochenen Sprache in Wörter, Silben und letztendlich in Laute zu zerteilen. In der ersten Stufe geht es daher um die sogenannte „phonologische Bewusstheit“. „Ein Hund namens Asco hört, dass jemand aus der Küche ruft: ‚Wo ist der Tabasco?‘ Asco rennt in die Küche, weil er seinen Namen gehört hat. So funktioniert phonologische Bewusstheit“, verdeutlicht die Lehrerin. Als zweite Stufe folgt dann die „alphabetische Strategie“, in der es um lautgetreues Schreiben geht und so fort. „Es ist wichtig, ein Kind zunächst auf der Stufe üben und Sicherheit gewinnen zu lassen, auf der sich die Probleme befinden. So macht es etwa wenig Sinn Rechtschreibregeln zu üben, wenn das lautgetreue Schreiben noch nicht sicher beherrscht wird“, erklärt Gabriele Selle-Drews.
Auch an der LUKAS Grundschule findet die Schreiblernförderung prozessbegleitend in enger Abstimmung mit der Fachlehrkraft statt. Im zusätzlichen Unterricht wird u.a. mit sogenannten Lük-Kästen, einem bewährten Freiarbeitsmaterial, gearbeitet. Dabei legen die Kinder zu einem Übungsschwerpunkt, z. B. „Welches Wort klingt am Anfang anders?“, Plastikplättchen in einen flachen Kasten und können nach Abschluss der Arbeit selbst kontrollieren, ob sie alles richtig gemacht haben. Das Üben mit diesem Material hat so viele spielerische Elemente, dass die Kinder mit hoher Motivation und Freude an die Arbeit gehen. Außerdem arbeiten die Schüler in der LUKAS Grundschule mit den Rekas-Rechtschreibkarten, einem System, das Wortmaterial auf allen Stufen des Schreiblernprozesses zur Verfügung stellt. „Natürlich brauchen die Schüler für das selbstständige Arbeiten eine gewisse Einarbeitungsphase“, meint Gabriele Selle-Drews, „aber wenn sie dann später fit sind und alleine so richtig loslegen, dann sehe ich das immer mit großer Freude!“