Projekt “Stärken stärken” in der LUKAS Grundschule

Ein Bericht aus der LUKAS Grundschule, Bassum - In unserer Gesellschaft gewinnen der Begriff der Hochbegabung und die daraus folgenden Konnotationen eine immer wichtigere Rolle.

­­Dabei herrscht vor allen Dingen die Vorstellung, dass Hochbegabung, insbesondere im Kindesalter, grundsätzlich mit außergewöhnlich guten Leistungen in der Schule einhergeht. Dies kann der Fall sein, ist aber keine hinreichende Bedingung.

Interessanterweise ist es auch in der Hochbegabtenforschung noch nicht klar, wie sich die Hochbegabung differential und persönlichkeitsdiagnostisch definieren lässt. D.h. konkret, dass die Frage, wie sich Hochbegabte von Nicht-Hochbegabten unterscheiden, noch nicht abschließend geklärt ist. Dabei ist insbesondere strittig, ob Hochbegabung ein Potential darstellt oder eher eine bereits gezeigte exzellente Leistung. Einigkeit besteht jedoch in zwei wesentlichen Punkten. (1) Es gibt eine Abgrenzung von intellektueller Hochbegabung zu musischer oder sportlicher Hochbegabung. (2) Bei der Förderung von intellektueller Hochbegabung bei Kindern, wie auch immer sie definiert wird, spielt, abgesehen von der intellektuellen Stimulation, die Stärkung der Motivation und die Stärkung des Glaubens an die eigenen Fähigkeiten eine entscheidende Rolle. In diesem Sinne verfolgten wir mit diesem Projekt als Ziele:

  • Kinder mit Hochbegabung zusammenzubringen.
  • Den Kinder Anregungen und Angebote für Themengebiete zu geben, die im gewöhnlichen Grundschulcurriculum nicht möglich sind.
  • Den Kindern neue Medien bereitzustellen und zu erläutern, wie diese funktionieren und worauf sie im Umgang mit solchen achten müssen.
  • Ein offenes Ohr für die speziellen Sorgen dieser Kinder zu haben.
  • Den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, ihre Sorgen und Erwartungen an den laufenden Unterricht  zu thematisieren.
  • Die Vermittlung an die Kindern, dass es nicht darum geht, den Lehrer mit der richtigen Lösung zufriedenzustellen, sondern Freude bei der Erarbeitung einer Lösung zu entwickeln. Die Richtigkeit der Antworten spielte also in diesem Projekt nur eine untergeordnete Rolle.

 

Das Projekt begann im Oktober 2014 und umfasste jeweils zwei Unterrichtsstunden/ Woche. Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler des Projektes „Stärken stärken“, die sich unter dem Gruppennamen “Dienstagsgruppe” trafen, setzte sich aus zwei Mädchen und vier Jungen der 2. bzw. 4. Klasse zusammen. Die Themengebiete/Module Mathematik, Informatik, und Funktionsweise des menschlichen Gehirns nahmen dabei eine zentrale Rolle ein. Es wurde insbesondere darauf geachtet, dass in den Modulen auch auf Inhalte anderer Schulfächer zurückgegriffen wurde. Bspw. wurde im Modul Informatik für die deutschen Fachbegriffe jeweils auch die englischen Fachbegriffe gegenübergestellt. Diese Herangehensweise sollte den Kindern veranschaulichen, dass Schulfächer nicht getrennt betrachtet werden sollten, sondern Wissen in einem Fach für die Beantwortung von Fragestellungen in einem anderen Fach sehr nützlich sein kann. Ein Ansatz also, der im wissenschaftlichen Bereich mittlerweile Gang und Gäbe ist. Im Folgenden werden die Module kurz beschrieben:

Modul Mathematik: Dieses Modul diente dazu, den Kindern zu veranschaulichen, dass Mathematik, auch wenn unbewusst, im Alltag eine entscheidende Rolle spielt. Dies wurde unter anderem anhand der Wahrscheinlichkeit demonstriert. Die Kinder sollten aus ihrer Erfahrung Beispiele dafür sammeln, wann bestimmte Ereignisse “sicher” auftreten, wann sie “nie” auftreten und wann sie “möglicherweise” auftreten. Bei diesem Brainstorming erkannten die Kinder schnell, dass Ereignisse, die in der Vergangenheit aufgetreten sind, immer als “sicher” eingestuft werden können. Bei Ereignissen in der Zukunft kann dagegen nur gesagt werden dass sie möglicherweise auftreten. Anhand weiterer Beispiele (Ereignis Schnee im Sommer vs. Ereignis Schnee im Winter) wurde erarbeitet, dass dieses möglicherweise in Zahlen fassbar ist. D.h. dass bestimmte Ereignisse mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auftreten als andere.

Modul Informatik/Funktionsweise des Gehirns: Dieses Modul diente dazu, die Kindern mit dem Arbeiten mit Computern vertraut zu machen, aber ihnen auch zu verdeutlichen, dass es wesentliche Parallelen zwischen der Arbeitsweise eines Computers und des menschlichen Gehirns gibt. Dazu wurde mit den Kindern gemeinsam erarbeitet, was ein Computer eigentlich leistet und welche Bauteile er dafür zwingend benötigt. Bezugnehmend auf das menschliche Gehirn wurde erarbeitet, was man unter Hard- bzw. Software verstehen kann. Ein zentraler Aspekt dieses Moduls war es, mit den Kindern zu erarbeiten, wie Informationen gespeichert und abgerufen werden können. Dabei wurden bspw. Fragen diskutiert wie: (1) Warum können sich Computer scheinbar so viel mehr merken? (2) Warum vergessen wir Menschen? (3) Warum behalten wir einiges leichter als anderes? Ist die Gedächtnisleistung beeinflussbar und wenn ja, wie? Welche Methoden gibt es, um das Gedächtnis zu trainieren?

Regelmäßig, d.h. am Ende einer jeden Doppelstunde (für circa 15 Minuten), erhielten die Kinder außerdem die Möglichkeit, mit Hilfe eines Tipptrainers das Zehn-Finger-Schreiben am Computer zu üben. Das Programm erlaubte es, am Ende einer jeden Sitzung den Übungserfolg zu kontrollieren (Fehleranzahl, Geschwindigkeit etc.), so dass die Kinder intrinsisch motiviert wurden, sich beim nächsten Mal zu verbessern. Gleichzeitig wurde mit den Kindern dadurch demonstriert, dass Schulnoten/Zeugnisse nichts “Schlimmes” sind, sondern genauso Hilfsmittel, die ihnen helfen sollen, ihre eigenen Leistungen einschätzen zu können und Bereiche zu identifizieren, in denen sie sich noch verbessern können.

Neben den oben beschriebenen Inhalten, wurde in einem Fall, d.h. von einem Schüler, eine Projekthausaufgabe bearbeitet. Der Schüler führte in der Schule eine Umfrage durch, wertete sie statistisch aus und präsentierte die Ergebnisse graphisch. Natürlich wurde er bei dieser Projektaufgabe intensiv vom Projektleiter unterstützt. Ziel war es,  insbesondere diesem Schüler, der sich durch eine äußerst schnelle Auffassungsgabe auszeichnet, die Gelegenheit zu geben, sich einer Aufgabe zu widmen, die ihn mehr herausforderte. Außerdem hatte er bei der Bearbeitung dieser Projektaufgabe deutlich mehr Möglichkeiten selbstbestimmt zu arbeiten, als bei gewöhnlichen Hausaufgaben. Es wurde deutlich, dass ihm dieses selbstbestimmte Arbeiten Freude machte und von ihm als sinnhaft erlebt wurde. Jedoch stellte diese Arbeitsweise auch eine neue herausfordernde Erfahrung dar, weil es keinen unmittelbar richtigen Lösungsweg gab diese Projektaufgabe zu bewältigen.

Eines der wesentlichsten Ziele der Projektgruppe war es, den Schülerinnen und Schülern zu verdeutlichen, dass es eher unwichtig ist die richtige Antwort zu geben, als sich vielmehr eigenständig oder in der Gruppe mit einem Thema intensiv

auseinanderzusetzen. Dazu gehört insbesondere der Versuch, den anderen Schülern die eigene Sichtweise zu erzählen und die der anderen nachzuvollziehen. Um dies zu gewährleisten, wurde in dieser Gruppe größter Werte darauf gelegt, dass die Schülerinnen und Schüler lernten sich gegenseitig aussprechen zu lassen. Auch wurde versucht, mit den Beiträgen der einzelnen Schüler Lösungen gemeinsam zu entwickeln. Im Regelunterricht spürten die Lehrerinnen und Lehrer eine positive Einstellung dieser Kinder zur Mitarbeit.

Es bestand  eine Notwendigkeit der engen Zusammenarbeit der Lehrerinnen und Lehrer untereinander sowie mit dem Projektleiter “Stärken stärken”, um das Projekt zu optimieren und den betroffenen Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden.  Diese Bereitschaft war während des Projektes spürbar und für alle Beteiligten gewinnbringend. Die LUKAS Grundschule beschult derzeit in jeder Klassenstufe begabte und hochbegabte Kinder. Die Anfragen nehmen zu. 

 

Projektleiter Dr. rer. nat. Dipl. Psych. Dipl. Math. O. Eloka

Schulleiterin K. Peloso

August 2015