Schüler nehmen ein Hörspiel auf

Einen Einblick in die Hörspielproduktion bekam die 10. Klasse des LUKAS Gymnasiums in Bassum an einem Projekttag, an dem im Rahmen des Projektes „Hörspiel in der Schule“ zwei Mitarbeiter des NDR die Klasse besuchten.

Wer kennt sie nicht, die Hörspieldauerbrenner „TKKG“ oder „Die drei Fragezeichen“? Sie und auch andere Hörspiele machen lange Autofahrten erträglich oder dienen als Gute Nacht Geschichten. Aber wie entsteht so ein Hörspiel überhaupt und was sind die Besonderheiten dieses Genres?

Das Programm startet kurz nach acht Uhr, eigentlich viel zu früh für eine Hörspielaufnahme, wie die Schüler von der Redakteurin Eva Solloch erfahren. Die Stimme  brauche morgens etwas mehr Anlauf um klar, deutlich und verständlich zu sein, weshalb  professionelle Aufnahmen normalerweise nicht vor 10 Uhr begännen. Die Klasse startet nun unter der Anleitung von Frau Solloch mit Aufwärmübungen, während der Producer Marko Pauli im Nebenraum die technische Ausrüstung aufbaut. „P-t-k“ und „sssssss“ tönt es im Raum. Dann sollen die Schülerinnen und Schüler Sätze in verschiedenen Stimmungen sagen. Das sorgt für manchen Lacher, da es zum  Beispiel nicht einfach ist, den Satz „Morgen habe ich Geburtstag“ in trauriger Stimmung zu sprechen.

Nach dem Warm-up beginnt auch schon die eigentliche Aufnahme. In den vorangegangenen Deutschstunden hatten die Schüler eine Szene aus dem Hörspiel „Watchdog“ von Sabine Stein ausgewählt und die Rollen verteilt. Unter der Regie des Producers wird nun die erste Szene aufgenommen - einmal, zweimal, dreimal - bis sie richtig gut ist. Schon das kleinste Nebengeräusch, wie z.B. eine quietschende Schuhsohle, kann zur Wiederholung der Aufnahme führen und natürlich wird auch solange wiederholt, bis die Betonung richtig sitzt. Von allen Beteiligten erfordert dies höchste Konzentration, aber es klappt, wenn auch nicht immer beim ersten Mal. Da eine Szene im Hörspielausschnitt auf dem Schulhof spielt, braucht man nicht nur die Sprecher, sondern auch Schulhofatmo, also die typischen Hintergrundgeräusche auf einem Schulhof. In der Pause wird daher eine Schülerin mit dem Mikrofon in der Hand losgeschickt, um die Schulhofatmosphäre einzufangen.

Als das Einsprechen der Szenen fertig ist, begibt sich der Producer wieder in den Nebenraum, um mit dem Schnitt der Szenen zu beginnen. In dieser Zeit bekommen die Jugendlichen nun von Eva Solloch viele interessante Informationen zur Entstehung der professionellen Hörspiele. So mancher Schüler staunt darüber, was  alles festgelegt werden muss, bevor man überhaupt mit der Aufnahme beginnen kann: der Text muss festgelegt, Rechte müssen gesichert, ein Redakteur, ein Regisseur, die Sprecher und ein Komponist müssen ausgewählt werden. Auch über die hohen Produktionskosten von 20.000 bis 50.000 Euro (bei mehrteiligen Hörspielen) ist so mancher dann doch sehr verwundert. Für die Produktion eines etwas einstündigen Hörspiels müsse man ungefähr 10 Arbeitstage veranschlagen. Nebenbei bekommt die sehr interessierte Klasse noch viel Insiderwissen vermittelt, so zum Beispiel,  dass man für die Hörspiele meist Schauspieler und keine Synchronsprecher zum Einspielen nehme, da das Synchronsprechen ganz andere Anforderungen habe. Gemeinsam werden auch noch Ausschnitte aus dem Hörspiel „Tschick“ angehört und die Schüler erfahren, wie detailgetreu im Hörspiel gearbeitet wird. So hörten sich die quietschenden Reifen eines neuen Mercedes ganz anders an als die eines verrosteten Ladas und deshalb achte man hier immer auf Genauigkeit. Spiele eine Szene im Auto, müssten die Sprecher auch in einem Auto sitzen, um eine authentische Wirkung zu erzielen.

Als der Producer die ersten Vorbereitungen abgeschlossen hat, dürfen die Schüler ihm nun in kleineren Gruppen bei der Arbeit über die Schulter schauen. Gespannt sehen sie zu, wie die einzelnen Szenen geschnitten, mit den Hintergrundgeräuschen unterlegt und mit Soundeffekten lebendig gemacht werden. Schließlich  ist die Szene dann fertig bearbeitet und wird zum krönenden Abschluss noch von allen zusammen angehört. Alle lauschen nun gespannt und auch ein bisschen stolz dem wirklich beeindruckenden Ergebnis.

Am Ende gibt es noch ein Feedback dazu, wie der Vormittag den Schülern gefallen hat. Elias und Theresa sagen, dass sie es gut fanden, dass sie ein eigenes Hörspiel von Anfang bis zum Ende bearbeiten konnten und dass man wirklich als Team zusammengearbeitet habe. Fabian hat gefallen, dass sehr auf die Authentizität geachtet wurde, so wurden Szenen, die draußen spielten, eben auch draußen aufgenommen. Positiv vermerkt wurde auch, dass man viele Fragen stellen durfte und bei der Gestaltung der Sprecherrollen eigene Anregungen mit aufgenommen wurden. Alle äußern sich sehr zufrieden über diesen wirklich gelungenen und interessanten Vormittag, den alle am liebsten gleich noch einmal wiederholen würden.

(Bericht und Fotos Frau Göbel)